Gewöhnlicher Gundermann - Glechoma hederaceae

Heil aller Welt – Sebastian Kneipp (Kräuterpfarrer 1821–1897)

Steckbrief

Weitere Namen Gundelrebe, Erdefeu, Wilde Petersilie, Soldatenpetersilie = Gewürz im Salat, Donnerrebe, Katzenkraut, Blauhuder, Gundam, Erdkränzl, Buldermann, Hederich, Grundrebli, Gundelrieme, Huder, Zickelkräutchen, Silberkraut, Zaungucker

Pflanzenfamilie

Lippenblütler - Lamiaceae

Fundort Gemüsebeet Garten Germering
Standort

Licht

  • Sonne bis Schatten

Boden

  • durchlässig bis humos
  • feucht
  • nährstoffreich
  • sauer bis kalkhaltig
Merkmale
  • Flachwurzler, stark Ausläufer bildend
  • Wuchshöhe 15 - 30 cm
  • Frostverträglich -28°C
  • Vierkantiger Stängel
  • Typische violette Lippenblüten aus den Blattachseln entspringend
  • Nieren - Herzförmige, gelappte Blätter
Welche Pflanzenteile werden verwendet
  • Blätter
  • Triebe
  • Blüten
Blütezeit
  • April - Juni
Erntezeit Ganzes Jahr
Vermehrung
  • Rhizome
  • Samen mit Elaiosome
    • Licht-/Warmkeimer
    • Spätsommer
Giftig
  • Für Menschen nicht
  • Für Pferde (und manche andere Tiere) ja
Verwechslungsgefahr
  • Günsel
  • Scharbockskraut (vor der Blüte)
  • Junge Knoblauchrauke (junge Blätter)
  • Ehrenpreis

 

Unterscheidung

  Gewöhnlicher Gundermann Kriechender Günsel Scharbockskraut Gewöhnliche Knoblauchsrauke Ehrenpreis spec.
Blatt          
Stengel          
Blüte          

 

Allgemeines

Bedeutung bot. Name

Glechoma = griechisch „Glechon“ -> Bezeichnung für die Polei Minze (sieht ähnlich zu dieser aus)

Hederaceae = Hedera = Efeuartig -> Hedara Helix = Gewöhnlicher Efeu

 

Bedeutung Umgangssprachlicher Name

Gunder = Althochdeutsch = Eitriges Geschwür

 

Historisches

  • Germanen und Kelten 
    • Nutzten die Pflanze bereits als Heilpflanz
  • Antike
    • Römer und Griechen nutzten ihn für Atemwegserkrankungen und Wundheilung
      • Plinus der Ältere erwähnte Gundermann in seiner „Naturalis Historia“ für Augenleiden und Schutz vor Gift
  • Mittelalter
    • Hildegard von Bingen empfahl sie als Tee bei Erkältungen, Nieren- und Blasenentzündungen sowie Magen-Darm-Beschwerden, ebenso zur Hebung der Stimmung und Kopfschmerzen aller Art
    • Wurde in Klostergärten kultiviert
  • Neuzeit bis Viktorianisches Zeitalter
    • Kneipp nutzte das Kraut ebenso zur Linderung von Magen-, Darm und Blasenleiden, sowie zur Anregung des Stoffwechsels
  • Moderne
  • Nicht offiziell in der Phytotherapie aber durch Volksheilkunde wohl bekannt

 

Wissenswertes

  • Wurde wie Labkraut zur Gerinnung von Milch bei der Käseproduktion verwendet
  • Für Pferde und viele andere Nutztiere giftig (Glechomin)
  • Wurde zum Bierbrauen genutzt bis Anno 1516

 

Geschmack

  • Würzig-Herb
  • Bitter je nach "alter"
  • Leicht Pfeffrig

 

Inhaltsstoffe

Mineralstoffe Kalium
Vitamine Vitamin C
Sekundäre Pflanzenstoffe
  • ätherisches Öl
  • Gerbstoffe
  • Saponine
  • Flavonoide
  • Bitterstoffe
  • Chlorophyll
  • Cholin

 

Wirkung

  • adstringierend
  • antimikrobiell
  • antioxidativ
  • antiviral
  • beruhigend
  • entzündungshemmend
  • immunstärkend
  • juckreizlindernd
  • schleimlösend und auswurffördernd
  • schmerzlindernd
  • schützend

Anwendungsbereiche

  • Hauterkrankungen  
    • Ekzeme
    • Hautentzündungen
    • Hautirritationen
    • Insektenstiche
    • Schuppenflechte
      • Psoriasis
    • Schürfwunden
    • Schwellungen
    • Wunden
    • Zahnfleischbluten
  • Rheumatische Erkrankungen
    • Arthritis
    • Rheuma
  • Atemwegserkrankungen
    • Bronchitis
    • Erkältungen
    • Halsschmerzen
    • Nebenhöhlenentzündungen
  • Magen-Darm-Erkrankungen
    • Bauchkrämpfe
    • Blähungen
    • Darmentzündung
    • Durchfall
    • Magen-Darm-Entzündungen
    • Gastritis
    • Verdauungsbeschwerden
    • Gallensteinkolik
  • Entzündungen

Anwendungshinweis

  • Vorsicht bei Allergien auf „Lippenblütler“
  • Vorsicht bei Schwangerschaft/Stillzeit – keine Ausreichenden Informationen vorhanden
  • Eiter und Schleim austreibend
  • Reinigt und stärkt innerlich (tiefes Gewebe und Organe)

Darreichungsform

  • Auszüge
    • Heiß/Kalt
    • Wasser/Fett/Alkohol
  • Nahrungsmittel
  • Salben/Cremes
  • Räucherwerk

TCM

Wirkung

  • Gegen heißen Schleim und Toxine
  • Zur Stärkung von Niere und Lunge
  • Bringt Dinge die erstarrt sind wieder in Fluss, bewegt somit Leber-Qi

Homöopathie

 

Gut für die Natur

Nektar- und Pollenlieferant

  • Wildbienen 40 (Nektar und/oder Pollen, davon 2 spezialisiert)
  • Schmetterlinge 3
  • Raupen 1 (davon keine spezialisiert)
  • Schwebfliegen 3
  • Käfer 2

Wissenswertes

  • Bei Aurora- und Zitronenfaltern beliebt
  • Beliebte Bienenweide im Frühjahr (blüht sehr früh)

 

Gut für den Gärtner

Gartengestaltung

  • Anbau
    • Fast für jeden Standort geeignet
    • Verträgt kein Salz
    • Unterstrauch Bepflanzung
  • Wachstum
    • Bodendecker

Pflege

  • Kein Schnitt
  • Pflegeleicht 

Schädlinge & Krankheiten

  • Rostpilz
  • Mehltau

Zeigerpflanze für ...

  • Nährstoffreiche Böden

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