Schwarzer Hullunder - Sambucus nigra

Das Wichtigste auf einen Blick 

Rote Liste 2.55 sehr häufig
Bestimmungsmerkmale
  • Verholzter großer "Strauch"
  • Schwarze hängende Beeren
Wichtigsten Inhaltsstoffe
  • Vitamin C
  • Kalium
  • Äth. Öle
  • Schleimstoffe
  • Flavonoide (u.a. Rutin)
Wichtigste Wirkung
  • Immunsystem stärkend
  • Schleimlösend u. Auswurffördernd
  • Antioxidativ
  • Schweißtreibend -> Fiebersenkend
Wichtigste Anwendung
  • Atemwegserkrankungen
  • Abwehrschwäche
Verarbeitung
  • Reife Beeren kochen und verarbeiten
    • Marmelade
    • Saft
    • Tee
    • Sirup
Nice to Know 
  • Beim zerreiben charakteristisch strenger Geruch
  • Färbepflanze für Leder, Stoffe und Haare (burgundrot)
  • Im Brauchtum sehr verwurzelt
  • Zeigerpflanze Stickstoff

 

 

Steckbrief 1.1, 2.28, 2.50, 2.52, 2,55, 2.69

Weitere Namen 2.55, 2.28, 2.93 Holler (Süden DE), Flieder (Norden DE), Holder, Ellhorn, Kelkenbusch, Schwarzholder, Holderbusch, Eller, Höller, Fliederbeere
Pflanzenfamilie 2.93 Moschusgewächse - Adoxaceae
Gattung 2.93 Holunder
Fundort Garten Germering / Ehemaliger Tramstreifen - Hufelandstraße und weiter zur Panzerwiese
Standort 2.55, 2.93

Lichtverhältnisse

  • Sonne bis Halbschattten

Bodenbeschaffenheit

  • Frisch - Feucht
  • Normal
  • Stickstoffreich

Beispiele

  • Ruderalflächen
  • Waldlichtungen
Merkmale 2.55, 2.93

Wuchsverhalten

  • Gehölz
  • Sommergrün
  • Aufrecht
  • Mehrjährig (bis zu 100 Jahre)
  • Locker verzweigt
  • Höhe 4 - 6 m 
  • Breite 3 - 5 m 
  • Zuwachs 60 - 70 cm pro Jahr

Wurzel

  • Flachwurzler
  • Weitreichendes Wurzelsystem

Stamm

  • längsgefurcht
  • korkartig
  • Ältere Äste grau-braun
  • Lentizellen (Korkporen) auf jüngeren Ästen
  • Mark rein weiß

Blatt

  • Unpaarig gefiedert
  • Gegenständig
  • Eliptisch
  • Gesägter Blattrand
  • 5-7 Fiederblättchen (zugespitzt)
  • Zur Fruchtreife an den Früchten rot-überlaufen

Blüte

  • viele kleien weiß-cremfarbene Blüten
  • Trugdolde/Schirmrispe
  • Intensiver, fruchtig-süßer Duft
  • Bis zu 30 cm breit

Frucht

  • Nach unten Hängend
  • Schwarz-glänzend
  • Erbsengroß
  • Kugelig
  • Schwer
Welche Pflanzenteile werden verwendet 2.93
  • Reife Beeren (nur gekocht)
  • Blüten
Blütezeit 2.55 Mai - Juli
Erntezeit 2.93

August - September

Vermehrung 2.93
  • Steckhölzer 
    • Grünstecklinge (Sommer)
    • Holzstecklinge (Winter)
  • Samen (Vögel, Herbst, langsamkeimer)
  • Fremdbestäubung
  • Selbstbestäubung
Giftig 2.93
  • Ja 
  • Schwach giftig - giftig

Außnahme 

  • Blüten 
  • Gekochte, reife Früchte

Giftstoff

  • Die rohen Beeren enthalten das Glykosid Sambunigrin. Dieser Wirkstoff kann bei Verzehr größerer Mengen roher Holunderbeeren zu Magen-Darm-Beschwerden führen (Erbrechen und Durchfall)
  • Beim kochen der Beeren, bei einer Temp. von 80° C, zerfällt dieser Wirkstoff
Verwechslungsgefahr 2.93
  • Zwerg Holunder (in allen Teilen giftig)
  • Roter Holunder

 

Unterscheidung 2.93

  Schwarzer Holunder Roter Holunder Zwerg Holunder
Markfrabe

Rein-Weiß

Zimtbraun

 

Früchte

Schwarz, hängend

Leuchtend Rot

Schwarz, Stehen starr aufrecht

Blüten Süßlich-Fruchtiger Duft, Staubblatt gelb

Aufrecht, kegelig, rispig

Duft sehr unangenehm, Staubblatt rot

Blätter

eiförming - lanzettlich

Bei Blattaustrieb - Bronzenfarbene Blätter

Lanzettlich 

Stamm

Verholzt, grau-grün

Verholzt

nicht verholzt, Krautig

 

 

Allgemeines

Bedeutung bot. Name 2.50

Sambucus = vermutlich ein altgriechisches, harfenähnliches Musikinstrument zurück, das aus Holunderholz gefertigt wurde (Sambuche).

Nigra = lat. Niger = schwarz

 

Bedeutung Umgangssprachlicher Name 2.50

Das Wort Holunder = Althochdeutschen von Holuntar (Holun = gnädig oder hohl und Tar= Baum, Strauch)

 

Historisches 2.35, 2.50, 2.55

  • Bekannte Heilpflanze seit der Antike
  • Holunder wird seit langer Zeit in der Volksmedizin verwendet.
  • Die Nutzung betraf:
    • Blüten (z. B. Tees)
    • Beeren (z. B. Sirup, Wein)
    • Blätter (z. B. Tinktur, aber die Blätter enthalten Blausäureglykoside daher soll man diese nicht mehr benutzten).
  • Früher wurde er auch zur Stärkung des Immunsystems genutzt.
  • Der Strauch war in verschiedenen Regionen kulturell tief verwurzelt.
  • Früher wurde mit den Holunderbeeren zum Färben von Leder, Haare und Rotwein verwendet

Wissenswertes

Blumensprache 2.19

  • Zweifle nicht länger an meiner Liebe.
  • Bist du krank? Ich habe ein Mittel für dich.

 

Handwerken und Alltägliches


Geisterflötenherstellung [2.50]

Da die Äste des Holunders mit einem weichen Mark gefüllt sind, welches man gut entfernen 
kann, eigenen sie sich gut für die Herstellung von Flöten. 


Färberplfanze [2.35]

Die reifen schwarzen Früchte können zu einer burgunderroten Farbe verarbeitet werden. 


Duftholz aus Holunderholz [2.35]

Holunder steht in vielen Kulturen unter besonderem Schutz und gilt als Lebensraum für Tiere sowie als spirituell bedeutsame Pflanze. Für diese Bastelarbeit darf kein frisches Holz vom Strauch geschnitten werden. Verwendet ausschließlich bereits abgestorbenes, am Boden liegendes oder bei Pflegeschnitten angefallenes Holz.


Materialien

• Ein Stück trockenes, naturbelassenes Holunderholz (nur gesammeltes Totholz)
• Schleifpapier (fein)
• Schnitzmesser oder kleines Multitool
• Ätherisches Öl nach Wahl
• Glasmurmel oder kleiner Edelstein

Anleitung

  • Holz vorbereiten
    • Grobe Rinde ggf. entfernen
    • Schnittflächen mit Schleifpapier glattschleifen
  • Mulde schnitzen
    • In eine Seite des Holzes eine flache Mulde schnitzen
    • Die Mitte der Mulde etwas tiefer ausarbeiten, sodass ein kleines Reservoir entsteht
    • Die Mulde sollte so geformt sein, dass eine Glasmurmel gut hineinpasst, ohne zu 
      verrutschen
  • Beduften
    • Einige Tropfen eines echten ätherischen Öls oder einer persönlichen Duftmischung in die 
      Vertiefung geben
    • Verschließen
    • Glasmurmel auf die Mulde legen – sie schützt den Duft und hält ihn länger frisch
  • Verwendung
    • Das Duftholz kann z.B. am Schreibtisch, im Schlafzimmer oder im Meditationsbereich 
      aufgestellt werden
    • Bei Bedarf die Murmel anheben und den Duft bewusst wahrnehmen


Judasohr (Speisepilz) [2.50]
Ausschließlich auf dem Totholz des Holunders kann Judasohr, ein sehr leckerer Speißepilz, angebaut werden. 


Holunder als Fliegenmagnet [1.1]
Direkt neben dem Küchenfenster gepflanzt, soll der Holunder die Fliegen aus der Küche fern halten, da er selbst wie ein Magnet auf diese Insekten wirkt. 

 

Inhaltsstoffe 1.1, 2.35, 2.93

In der evidenzbasierten Medizin werden ausschließlich die getrockneten Holunderblüten verwendet.

 

Mineralstoffe
  • Kalium
Vitamine
  • A
  • B
  • C
Sekundäre Pflanzenstoffe
  • ätherische Öle
  • Glykoside (Sambucin, Sambicyanin, Chrysanthemin)
  • Fruchtsäuren
  • Polyphenole
  • Flavonoide
    • Rutin 
    • Phythosterole
  • Cholin
  • Schleimstoffe
  • Bitterstoffe
  • Carotinoide
  • Gerbstoffe
  • Antioxidantien
  • Gerbsäure

 

Wirkung

  •  anregend
  • antioxidativ
  • antiviral
  • auswurffördernd
  • schmerzstillend
  • immunstärkend
  • fiebersenkend
  • gewebeschützend
  • beruhigend
  • abführend
  • blutreinigend
  • entzündungshemmend 
  •  harntreibend
  • schleimlösend
  • schweißtreibend

Anwendungsbereiche

  • Atemwegserkrankungen
    • Erkältungen
    • grippale Infekte
    • Husten
    • Bronchitis
    • Halsschmerzen
    • Schnupfen
  • Probleme der Entgiftungs-/Ausleitendenorgane
    • Nierenleiden
    • Leberschwäche
    • Blasenentzündung
  • Magen-Darm-Probleme
  • Kreislaufprobleme
  • Hautentzündungen
    • Ekzeme
    • Hämorrhoiden
    • Wunden
  • Gelenkentzündungen 
    • Rheuma
    • Gicht
  • Schlafstörungen
  • Ödeme
  • Kopfschmerzen
  • Abwehrschwäche
  • Fieber

Anwendungshinweis

  • Nur die gekochten Beeren oder Blüten verwenden!

Darreichungsform

  • Nahrungsmittel
  • Tinktur
  • Auszug
  • Salben/Cremes
  • Duftmittel

 

TCM 

Blüten

  • Thermische Wirkung Blüten = kühl
  • Stärkung der Lunge, Niere und Blase
  • Haupteinsatzszweck Infektionen

 

Rinde

  • Termische wirkung Rinde = war
  • Stärkung der Leber, Niere und Dickdarm
  • Haupteinsatzzweck bei Verstopfungen, Arthritis, Gelenks- und Muskelrheuma, Ödeme

Beeren

  • Haupteinsatzzweck bei Lebensmittelvergiftung
  • neuralgischen Schmerzen


Homöopathie 

  • D0 - D6
  • Bei Kindern zur steigerung der Körpereigener Abwehrkräfte
  • Bei Schnupfen
  • Bei Asthma
  • Mehrmals täglich bis zu 10 Tropfen, je nach alter des Kindes 

 

Verwendung in der Küche 

Geschmack 

  •  

 

Was wird verwendet?

  •  

Wichtige Zubereitungsempfehlung

  •  

Rezepte

  •  

 

Gut für die Natur 

Nektar- und Pollenlieferant

Pollenwert 2/4 - mäßig

  • Schmetterlinge 7
  • Raupen 19 (davon 1 spezialisiert
  • Schwebfliegen 19
  •  Käfer 19

Nahrung- und Lebensraum

  • fressende Vogelarten 62 (z.B. Starre, Drosseln und Amseln)
  • Vogelschutzgehölz & Vogelnährgehölz
  • fressende Säugetierarten 8

 

Gut für den Gärtner

Gartengestaltung 2.52

  • Holunder wächst auch auf Ruderalflächen
  • Recht anspruchslos, wichtig ist, dass der Boden Frisch und Stickstoffhaltig ist
  • Kommt auch mit Schatten zurecht
  • Gute Heckenpflanze

 

Zeigerpflanze für ... 2.46

  • Stickstoffreicher Boden

 

Gartenpflege 2.52, 2.55

  • Er benötigt einen Auslichtschnitt, sonst trägt er sehr schnell deutlich weniger Blüten und Beeren
    • Schnitt im Herbst nur bei Ästen die Früchte getragen haben
      • Im ersten Jahr bildet er die Tragenden Äste im Zweiten die Früchte
      • Danach kräftig zurückschneiden
  • Holunder ist anfällig für Blattläuse und andere saugende Insekten
  • Die Wurzeln sind beliebt bei Wühlmäusen
  • Pilzerkrankungen können ihn auch befallen:
    • Grauschimmel (Botrytis spec.)
    • Holunderdoldenwelke (Boeremia sambuci-nigri)

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